Lahme und Herr vor HG-Derby gegen „Kröstis“ im Doppelinterview

Einen Spieltag früher wäre es noch das Spitzenduell in der Südstaffel der Jugend-Bundesliga Handball (JBLH) gewesen. Doch nach der Niederlage in Göppingen ist der Rückstand der HG Oftersheim/Schwetzingen auf ihren Gast Rhein-Neckar-Löwen auf drei Zähler angewachsen, war aber der Attraktivität dieses gefühlt ewig währenden Vergleichs und Derbys keinen Abbruch tut. Da gleichzeitig die anderen Topteams der HG auswärts oder erst am Sonntag spielen, ist es die Gelegenheit für Zuschauer, der heimischen „A1“ ihre Unterstützung zu gewähren und Jugend-Handball pur zu genießen. Ein Sieg gegen den Nachwuchs aus Kronau und Östringen wäre wünschenswert, denn die Konkurrenz um die Ränge 3 und 4, Göppingen, Bittenfeld, Konstanz und Pforzheim/Eutingen lauert in dichter Distanz im Hintergrund.

Im Vorfeld blickten wir im Gespräch mit den HG-Trainern Christoph Lahme und Thomas Herr etwas zurück, drangen in die Vorbereitungs-Theorie ein und wagten aber auch einen kleinen Ausblick.

Wenn ihr euch auf die Mannschaft seit dem ersten gemeinsamen Training im Januar besinnt, wie hat sie sich bis heute verändert, was ist daran besonders positiv zu bewerten?

Christoph Lahme: Positiv ist hierbei die mannschaftliche Geschlossenheit zu nennen, denn egal wer sich verletzt, es wird sich nicht beschwert, sondern daran gearbeitet, eine adäquate Lösung zu finden. Hinzu kommt, dass immer besser werdende situative Entscheiden, weshalb die Torverteilungen in allen Spielen recht ausgeglichen über alle Positionen verteilt ist.

Herr: Das Positive zeigt der Verlauf der Qualifikation und die bisherigen Spiele der Liga. Die Mannschaft ist gut abgestimmt und immer sehr fokussiert auf den nächsten Gegner. Sie arbeitet von Training zu Training daran, sich weiterzuentwickeln.

Wo ist das Team in seiner Entwicklung zurückgeblieben?

Herr: Zurückgeblieben klingt etwas übertrieben. Ich würde sagen, es besteht Entwicklungspotenzial im individuellen Bereich und im Entscheidungsverhalten.

Lahme: Auch ich finde diese Formulierung finde ich zu hart. Jedoch gilt es noch, an der Konstanz während einer Partie zu arbeiten, da wir hier zu viele „Auf und Abs“ aufweisen.

Stefan Hofmeister und andere Koryphäen des Jugend-Handballs verweisen ständig darauf, wie wichtig es für das Mannschaftsgefüge, fürs Einspielen sein kann, die Quali absolviert zu haben, was mit Testpartien so nicht möglich sei. Was ist eure Meinung dazu?

Lahme: Schwer zu sagen. Wir mussten über vier Wochenenden acht Spiele absolvieren und das nach Rundenschluss. Somit kam unsere Pause deutlich kürzer und die Ruhephasen für den Körper waren nicht komplett vorhanden. Um eingespielt in eine Vorbereitung zu starten, hat es bestimmt seine Vorteile, jedoch verbietet auch keiner den Mannschaften, die direkt qualifiziert sind, nach Rundenschluss sich in einer Turnierform zu messen, um die neue Mannschaft zu testen und sich einzuspielen. Alles in allem ist es ein Abwägen von verschiedenen Möglichkeiten.

Herr: Aus unserer Sicht war die Qualifikation positiv und wir konnten in der gesamten Vorbereitung darauf aufbauen. Daher sehe ich es so, dass man seine Vorteile daraus ziehen kann. Aber oft ist es gerade im A-Jugend-Bereich so, das eben durch die länger andauernde Runde der Männermannschaften, die Belastung für den einen oder anderen hoch ist und mit der anschließenden Qualifikation die Erholungsphase umso kürzer sein kann. Aber alles gesehen, ist Qualifikation eine gute Sache, um eben die besten Mannschaften in den Ligen zu haben.

Wie viele Punkte benötigt ihr noch, bis der Wunschtraum Meisterrunde Realität wird?

Herr: Ich rechne mit 12 Punkten auf der Habenseite, aktuell haben wir acht, aber natürlich hängt es davon ab, wie die anderen Mannschaften sich die Punkte gegenseitig klauen.

Lahme: Noch drei, aber eher vier Punkte. Jedoch wird es bis zum letzten Spieltag spannend bleiben, da viele direkte Duelle gespielt werden.

Ist das überhaupt realistisch „oben“ mitmischen zu wollen?

Lahme: Für die individuelle Entwicklung der Spieler gibt es doch nichts besseres, als sich mit den Besten ihres Alters und teilweise im Herrenbereich, zu messen. Wenn wir am Ende unter den ersten vier stehen sollten, warum nicht? Wir nehmen jede neue Aufgabe an.

Herr: Realistisch liegt im Auge des Betrachters, aber die Jungs haben sich Ziele gesetzt und sie werden alles dafür tun, diese zu erreichen. Wenn wir es dann schaffen sollten, wird es sicherlich schwer, mitzumischen.

Und was kommt dann, sollte dieses Ziel erreicht sein?

Herr: Hier wird sich zeigen, was wir erreichen können es wird dann nur von Spiel zu Spiel gedacht. Wichtig wird es sein, den einzelnen Spieler weiterzuentwickeln und sich eben mit den Besten messen zu lassen.

Lahme: Das bleibt abzuwarten. Vorerst steht das Derby gegen Rhein-Neckar-Löwen an, darum dreht sich jetzt alles.

HG Oftersheim/Schwetzingen – Rhein-Neckar-Löwen (Samstag, 18 Uhr, Karl-Frei-Halle Oftersheim)