Stress um 72 Startplätze in der 3. Liga

Die Saison wurde vorzeitig abgebrochen und inzwischen für beendet erklärt. Gemeinsam trainieren ist nicht drin, die Hallen sind geschlossen, an ein gegeneinander Spielen ist gar nicht erst zu denken. Da wird es die Drittliga-Handballer der HG Oftersheim/Schwetzingen und ihre Kolleginnen von der TSG Ketsch II freuen zu lesen, dass sich der Deutsche Handballbund (DHB) als zuständige spielleitende Stelle konkrete Gedanken macht, wie die Zukunft aussehen soll. Dabei wurde ein recht ausgefeilter achtstufiger Plan vorgestellt. Außerdem fallen diese Woche Entscheidungen, wer in der nächsten Saison drittklassig spielen soll.

Denn an diesem Freitag endet die Meldezeit für diese Spielklasse seitens der bereits dort angesiedelten Teams, der Oberliga-Meister und eventueller Nachrücker. „Die Spielkommission wird die eingegangenen Meldungen am Montagabend dann in einer Telefonkonferenz auswerten“, verkündete nun der DHB, am Dienstag will er das Ergebnis, also die Namen der zukünftigen Teilnehmer, bekanntgeben, woraufhin dann sicherlich gleich wieder die Spekulationen über die Staffelzusammensetzungen beginnen werden.

Beendet sind allerdings scheinbar bereits alle Diskussionen über den zukünftigen Modus. Etliche Teams respektive deren Verantwortliche hatten Bedenken angemeldet, die zusätzlichen Spieltage im Terminplan unterbringen zu können. Denn die Männer sollen mit 72 Mannschaften (vormals 64) spielen, die Frauen mit 60 statt 48. (Am Ende der Saison muss ein Mehrabstieg die alte Truppenstärke wieder herstellen) Doch die Ideen, fünf oder gar sechs männliche Gruppen zu bilden, wurden seitens des DHB schnell per Mail vom Tisch gewischt.

Während bei den Männern das Kontingent locker erfüllt wird, gibt es aber bei den Frauen wohl erhebliche Zweifel, ob das Sollziel erfüllt erreicht werden kann. Im männlichen Bereich verbleiben wahrscheinlich 57 „alte“ Drittligisten (Nußloch und Düsseldorf/Neuss beendeten wegen Insolvenz schon vorher die Runde, in Leichlingen ging nach Saisonabbruch die Spielbetriebsfirma wahrscheinlich wegen interner Unstimmigkeiten  in die Pleite). Hinzu kommen die HSG Krefeld, die keinen Lizenzantrag für die 2. Bundeliga gestellt hatte (will jetzt aber doch „oben“ bleiben) und die 12 Aufstiegsberechtigten aus der Oberliga (Verzichte sind bislang nicht bekannt geworden), womit 70 Plätze vergeben wären.

Die ersten Nachrücker wären nach einer vom DHB ermittelten Reihung Cloppenburg und Delitzsch. Das sächsische Team soll laut Gerüchten aber verzichten. Nächster in der Reihenfolge wäre Bayreuth. Dieses hat aber bereits gerichtliche Schritte eingeleitet, fühlt sich um Meisterschaft und sicheren Aufstieg betrogen, die dem VfL Günzburg zugesprochen wurden. Ähnliches gilt auch für Cloppenburg (war punktgleich mit Habenhausen), wo aber wohl noch keine Klage eingereicht wurde.

Bei den Handballerinnen gibt es allerdings eine eher unübersichtliche Lage. Die vier Drittliga-Staffelsieger und ihre „Vize“ wollen allem Anschein nach wohl sogar alle nicht in den Bundesliga-Bereich der HBF. Fritzlar, Eddersheim, Badenstedt und Aldekerk haben dies schon vermeldet. Auch bei den jeweiligen Zweitplatzierten herrschen Zweifel an der Aufstiegswilligkeit vor. Ähnliches kann aus dem Umfeld etlicher Oberliga-Meister und deren Nachfolgenden berichtet werden. Einige gaben bereits ihren Verzicht bekannt (zum Beispiel Schwerin und Peine – gilt nicht für die hiesige HSG St. Leon/Reilingen). Ober-Eschbach (Staffel Ost) hat aktuell kein spielfähiges Team zur Verfügung und auch bei HSG Jörl/Viol (Fünfter in der Nord-Gruppe) fiel die Mannschaft in kürzester Zeit komplett auseinander, Manager Carsten Martensen: „Wir werden definitiv nicht in der 3. Liga an den Start gehen.“ Hier sind also noch viele Dinge abzuwarten.

Acht Stufen zum Spielstart

Inzwischen könnte der eingangs erwähnte Stufenplan in Angriff genommen werden. Dieser beginnt mit zunehmender Trainingsintensität, soll ab 1. Juni handballspezifisches Training ohne Zweikämpfe in der Halle beinhalten. Testspiele würden (ohne Zuschauer) einen Monat später möglich sein. Der geregelte Wettkampfbetrieb vor Publikum sollte ab 1. September beginnen. Dies wäre nur ein Woche später als im ursprünglichen Rahmenterminkalender vorgesehen. mj