Wie bereits von unserer Seite montags vorab gemeldet, kam es am Dienstag recht schnell zum endgültigen Abbruch der Handball-Saison in Deutschland (mit Ausnahme des Pokal-Wettbewerbs). Ausgehend von der angesetzten Videokonferenz der Bundesligisten (HBL) folgten Dienstagmittag umfallenden Dominosteinen gleich die anderen beteiligten Verbände und Organisationen in einem vorher abgestimmten einheitlichen Verfahren. So werden die Abschlusstabellen nach der so genannten „Quotientenregelung“ erstellt. Festgeschriebene Absteiger wird es keine geben.

Schnell wurde innerhalb der HBL klar, dass die notwendige 75-Prozent-Mehrheit für einen Abbruch weit überschritten wurde. Kaum war deren Mitteilung heraus, folgte die Bundesliga-Vereinigung der Frauen (HBF), die ihren Betrieb schon früher (18. März) eingestellt hatte, mit ihrer Wertung zur beendeten Runde. Sie, wie alle anderen Institutionen nahmen dabei als Grundlage den im Umlaufverfahren befindlichen Bundesratsbeschlusses des Deutschen Handballbundes (DHB). Dieses Quorum hätte eigentlich erst am Mittwoch seinen Abschluss gefunden, hatte aber bereits zu diesem Zeitpunkt eine Zustimmung von über 80 Prozent erreicht. Einzige vorgenommene Änderung ist, dass aus der Drittklassigkeit bei den Männern alle Staffelsieger und somit auch der TV Großwallstadt als Sieger in der 3. Liga Mitte in die 2. Bundesliga einziehen werden. Ursprünglich hätten es nur zwei Aufsteiger sein sollen. Bei den Frauen gibt es mangels Interesse keine neuen Bundesligisten. Nur 14 Teams werden voraussichtlich die Zweitliga-Runde bestreiten.

Auch der DHB erklärte dann die Runden der Spielklassen, die unter seiner Obhut agieren, für beendet. Sowohl die 3. Ligen wie auch die Jugend-Bundesliga (JBLH) als auch die Meisterschaften in der Jugend werden  nicht mehr fortgesetzt. „Unsere Vereine der 3. Liga und Jugend-Bundesliga haben an ihren Standorten keine Möglichkeit, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen und können in der Folge auch keine Spiele austragen“, erläuterte Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Handballbund.

„Wir haben mit diesem Beschluss des Bundesrates in unserer föderalen Struktur einen gemeinsamen Weg für den deutschen Handball gefunden. Ich bedanke mich für die sehr gute und professionelle Arbeit der beiden Ligaverbände HBL und HBF sowie die sehr gute Zusammenarbeit mit den Landesverbänden“, fügte DHB- Präsident Andreas Michelmann hinzu. Sein Team und die Vorsitzendenden der Landesverbände wie der Oftersheimer Peter Knapp hatten seit Wochen darauf hingearbeitet, zu solch einer einheitlichen Lösung zu kommen.

Was noch offen ist, sind die zukünftigen Ein- und Aufteilungen der 3. Liga Männer. 72 Teams (vorher 64) sollten es einmalig maximal sein, 71 Plätze sind aktuell belegt. Werden die vier Staffeln aufgestockt oder wird in fünf Gruppen gespielt? Allerdings blieben trotz der am ehesten als gerecht empfundenen „Quotienten-Regelung“ einige Härtefälle übrig. So stehen in der Oberliga Nordsee ATSV Habenhausen und der TV Cloppenburg punktgleich vorne. Letzerer fühlt sich nun um Meisterschaft und Aufstieg betrogen. In der Hessenliga liegen HSG Lumdatal und TuS Kriftel nicht nur gleichauf, auch im direkter Vergleich gab es ein Unentschieden. Nur zwei Beispiele, deren Fälle eventuell sogar noch vor Gericht landen könnten. Allerdings hieß es in der Beschlussfassung auch: „Es können auch weitere Mannschaften aus den Oberligabereichen aufgenommen werden. Dies gilt auch für die 3. Liga Frauen bis maximal 60 Mannschaften (bisher 56). Die näheren Einzelheiten legt der Vorstand des Deutschen Handballbundes auf Vorschlag der Spielkommission 3. Liga fest.“

Weiter ungeklärte Fragen betreffen die nicht statt findenden Qualifikationen im Jugendbereich und die Zeitpunkte, wann – und ob überhaupt – die jeweiligen Spielklassen ihren Saisonstart haben sollen.

Was hingegen schon festzustehen scheint, ist die zukünftige Zusammensetzung der baden-württembergischen Oberligen. Sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen werden diese ohne Beteiligung aus unserer Region an den Start gehen. Die Handballerinnen der HSG St. Leon/Reilingen werden künftig in der 3. Liga auflaufen. Die HG Oftersheim/Schwetzingen, deren sportlicher Abstieg ohnehin schon besiegelt war, verzichtet auf ihren Startplatz und wird wieder in der Badenliga den Ball werfen.