HG knöpft Hanau aufopferungsvoll einen Punkt ab – Ein Drama in zwei Akten

Mühsam, sehr, sehr mühsam holte sich Oftersheim/Schwetzingen gegen die HSG Hanau beim 29:29 (10:16) den nächsten Punkt in der 3. Handball-Liga. Eine solche Aufholjagd gegen solch ein Spitzenteam der Mitte-Staffel nach einer verwachsten ersten Spielhälfte sei keine Selbstverständlichkeit, meinte HG-Trainer Holger Löhr.

Der Coach und die Grünen Karten 

Dieser stand gleich im Mittelpunkt des Geschehens, denn schon nach dem ersten Hanauer Angriff wirkte er erzürnt, beim nächsten hatte er bereits die erste grüne Auszeitkarte zur Hand, nach dem dritten wollte er sie schon legen, aber Kevin Suschlik war von Daniel Hideg zum 1:3 (5.) bedient worden. Aber die erste Gardinenpredigt war nur verschoben, folgte nach insgesamt 363 gespielten Sekunden beim 1:4. Doch auch die nächsten eigenen Vorstöße gingen schon wieder daneben, der zweite grüne Karton war bereits parat.

Aber zwischenzeitlich schien sich das Heimteam, bei dem permanent die Mittelmänner gewechselt wurden, gefangen zu haben (5:8). Auch Jerrit Jungmann durfte dann wieder seine ersten Gehversuche auf dem Feld machen. Doch die Timeout-Markierung war noch nicht in der Schublade verschwunden, lag beim 6:11 (19.) dann auf dem (Kampfrichter)-Tisch.

Doch da seit geraumer Zeit das Mittel des sechsten Feldspieler angewendet wurde, folgte nach Ballverlust postwendend das 6:12 – ein Rückstand, der relativ lange konserviert blieb (13:18/34.). Dazwischen gab es eine Karte anderer Farbe – Hanaus Yannik Woiwood flog mit Rot vom Platz, als er Tom Jansen in vollem Lauf niederstreckte.

Rot hätte es möglicherweise auch in einer kniffligen und extrem unübersichtlichen Situation kurz nach dem Seitenwechsel geben können. Jansen hatte zum 11:16 getroffen, lag wieder auf dem Boden, wofür wohl Yaron Pillmann umgehend eine Zeitstrafe erhielt. Es kam zu leichter Randale, einer Rudelbildung eben, für die sowohl ein HG-Akteur (Jansen) und einer der HSG die zwei getreckten Finger sahen. Während ein Schiedsrichter dies dem Kampfgericht kund tat, meckerte Pillmann weiter und bekam weitere zwei Minuten vom anderen Unparteiischen aufgebrummt. Letztlich musste aber nur er vier Minuten absitzen.

Doch in typischer Eichhörnchen-Manier verkürzten die Hausherren allmählich ihren Rückstand, hatten ihn beim 16:19 (39.) halbiert, und Alexander Sauer versenkte den Ball im leeren gegnerischen Kasten zum ersten Anschlusstreffer (21:22/47.). Als Daniel Hideg dann per Siebenmeter (Sauer war beim Konter gefoult worden, Pillmann sah nun nach dritter Zeitstrafe Rot) zum 23:23 (49.) ausglich, stand die Halle Kopf. Aber trotz aller Unterstützung von den Rängen wollte keine Führung gelingen, denn ruck zuck gingen wieder einige Bälle verloren. 

Nach Ausgleich 25:28 hinten

Es musste sogar um das bisher Erreichte gezittert werden (23:25, 25:28). Hanau hatte durch Michael Malik per Strafwurf auch zum 28:29 vorgelegt – noch 30 Sekunden verblieben. Hideg spielte Niklas Krämer per Rückhand am Kreis an, und der wurde umgerissen. Den fälligen Siebenmeter verwandelte dann Sauer nach Ablauf der Spielzeit und wurde zum umjubelten Spieler des Abends gekürt. Das sich mühsam ernährende Eichhörnchen hatte seine Nuss im Kobel. Auch dank Rechtsaußen Kevin Suschlik, dem treffsichersten Schützen der Partie.

Stimmen. „Spielstärkster Gegner“

Oliver Schulz, Trainer HSG: Es war ein gewonnener Punkt für die HG, in den letzten zehn Minuten wäre für sie sogar mehr drin gewesen, das tat uns schon sehr weh. Wir leisteten uns zu viele einfache Ballverluste gegen eine simple 5:1. Wir haben uns auf Nebenkriegsschauplätze eingelassen, über uns und die Schiedsrichter gehadert. Eine doppelte Zeitstrafe in Liga 3 geht gar nicht. Allerdings war Oftersheim/Schwetzingen auch die bisher spielstärkste Mannschaft gewesen, gegen die wir bisher antreten mussten.

Holger Löhr, Coach HG: Ein klar gewonnener Punkt. Wir haben die erste Halbzeit komplett verwachst. Das ging schon in der ersten Abwehr los. Ich war bis zur Pause von der Mannschaft enttäuscht, und habe ihr das dann auch so in der Kabine mitgeteilt. Dann habe ich der Mannschaft Zeit gegeben, selbst darüber nachzudenken. Aber dass wir die zweite mit sechs Toren Unterschied gewinnen, ist auch nicht selbstverständlich. Über verschiedene Abwehrformationen wollten wir dann auf Hanau Druck ausüben, dafür Respekt an meine Jungs, aber das hat auch Körner gekostet.

Lino Messerschmidt, Abwehrikone der HG: Den Schwung des letzten Spiels haben wir anfangs nicht mitgenommen. Erst durch die Rudelbildung und die Halbzeitansprache davor, sind wir besser ins Spiel gekommen, was dann entscheidend war, um überhaupt diesen einen Punkt zu holen.

Löhr über Jerrit Jungmann: Es ist nicht einfach einen Kreuzbandverletzten wieder heranzuführen, schon gar nicht in dieser Spielsituation. Wir müssen Jerrit im Training noch viel mehr Zeit geben.

HG: Herb, Müller; Barthelmeß, Messerschmidt (1), Jansen (2), Krämer (2), Jungmann, Suschlik (8), A. Sauer (6/3), Burmeister (5), Hideg (5/1), Schleidweiler.