Eigentlich wurde die Vollzugsmeldung schon seit Tagen erwartet, hinter vorgehaltenen Händen bestätigten nicht nur Insider den bevorstehenden Rückzug der SG Nußloch vom Spielbetrieb der 3. Handball-Liga. Nur es fehlte noch die offizielle Bestätigung, weshalb sich praktisch keiner aus der Deckung wagte.

Denn bei einem für Dienstag angesetzten Training wurde klar, dass bereits weitere Spieler gekündigt hätten, weshalb Teammanager Sebastian Körner zu diesem Zeitpunkt schon klar war, dass es keine Alternative gäbe, als den Spielbetrieb sofort zu beenden. Statt Training wurde Abschied genommen.

Dann in Nacht von Mittwoch auf Donnerstag veröffentlichte Manfred Gspandl von der Nußlocher Handballabteilung auf der vereinseigenen Homepage die Mitteilung, dass die Mannschaft aus dem aktuellen Spielbetrieb abgemeldet wird. Dies sei zum einen auf Grund fehlender Perspektiven für die verbliebenen Spieler nötig. Zum anderen erscheine wegen „vielfältiger Hindernisse in der aktuellen Situation Drittligahandball in der kommenden Saison in Nußloch mehr als unwahrscheinlich“. Nach den Insolvenzanträgen von Hauptsponsor Heka im Dezember und dem der SGN-Spielbetriebsgesellschaft am 13. Januar sei zwar ein „schlüssiges und solides Konzept“ (Gspandl) gesucht worden, um den Drittliga-Spielbetrieb fortzuführen, aber die Prognosen blieben düster.

Zuvor war die beim DHB angesiedelte spielleitende Stelle informiert worden, die am Donnerstagvormittag den Vollzug vermeldete. Entsprechend den Regularien werden alle bisherigen Partien der SGN aus der Wertung genommen, alle künftigen Begegnung vom Spielplan abgesetzt. Nußloch wird (ähnlich wie die vormalige HSG Neuss/Düsseldorf) auf Platz 16 als erster Absteiger der Staffel gesetzt. Somit könnte der Verein von der Bergstraße theoretische nächste Runde in der baden-württembergischen Oberliga antreten. Dies scheint er aber nicht in Anspruch zu nehmen. Gspandl blickte in seiner Aussendung auch etwas in die Zukunft: „Wir haben uns entschieden, ab der Saison 2020/21, mit der derzeitigen zweiten Mannschaft, einen Neuaufbau des Nußlocher Herrenhandballs, nach dem dann hoffentlichen Aufstieg in die Landesliga, zu starten.“ Die SGN II führt aktuell mit großem Vorsprung die Tabelle der obersten Liga des Kreises Heidelberg an und ist quasi uneinholbar.

Offen bleibt zunächst noch die Zukunft von Ex-Weltmeister Christian Zeitz: „Da werden wir uns in den nächsten Tagen sicher mit ihm unterhalten, wie es weitergeht“, sagte Geschäftsführer Gspandl der Deutschen Presse-Agentur. Im Laufe des Donnerstags vermeldete allerdings der TV Bittenfeld Stuttgart den Linkshänder als Zugang.

„Finanziell sind alle Teams betroffen, denen in der Rückrunde die Einnahmen aus dem Heimspiel gegen Nußloch fehlen werden“, kommentierte der Vorsitzende der HG Oftersheim/Schwetzingen, Peter Knapp, den Vorfall. In Schwetzingen war die SGN noch aufgelaufen, zum vorletzten Mal. „Sportlich sind die Auswirkungen in dieser Saison überschaubar“, hatte er mit einem Blick auf die Tabelle festgestellt, die auch schon bei der SZ/HTZ vorsichtshalber berechnet wurde. So fällt die HG (je eine Niederlage und ein Sieg) knapp hinter Großsachsen zurück und Rodgau Nieder-Roden kommt Spitzenreiter Großwallstadt (hatte bereits zweimal gegen Nußloch gewonnen) ein wenig näher. Auch für Bieberau/Modau sind beiden Erfolge über die SGN nun mehr geschichtliche Muster ohne sportlichen Wert.

mj