Drei torreiche Partien mit über 70 Treffern

 Letztlich gab es am finalen Spieltag der Südstaffel in der 3. Liga keine allzu gravierenden Veränderungen mehr. Dafür sorgte der TV Neuhausen/Erms für negative Schlagezeilen abseits des Spielfeldes und wird wohl auf die Teilnahme an der Relegation verzichten (siehe gesonderten Bericht unten).

HC Oppenweiler/Backnang – SV Kornwestheim                    38:36 (19:21)

In Oppenweiler gab sich der feststehende neue Titelträger dann doch noch einmal eine kleine Blöße, die aber keine Auswirkungen mehr hatte. Der HC O/B (lange Zeit am Tabellenende gelistet) zog damit in der Rückrundenwertung um einen Zähler am SVK auf Platz 3 vorbei. In dieser Partie wurde auch der Rekord des torreichsten Spiels dieser Runde eingestellt (SVK – Haßloch 43:31 vom 7. April, alle Statistiken auf bundesligainfo.de).

SG Köndringen/Teningen – TSB Horkheim             35:38 (17:18)

Nur einen Treffer weniger bot die Begegnung zwischen Schlusslicht und Vizemeister in gut besetzter Halle. Ein würdiger Abschied für den „Drittliga-Dino“ aus dem Breisgau, der zwischendurch 7:2 und 11:6 führte, aber wie so oft in dieser Runde dieses Niveau nicht bis zum Schluss durchhielt.

Rhein-Neckar-Löwen II – HG Oftersheim/Schwetzingen     26:26 (11:13)

In einem ständig spannenden und niveauvollen Match der Lokalrivalen sorgte ein abschließender Strafwurf für die wohl gerechte Punkteteilung. Rico Keller hatte ihn für die Drittplatzierten „Junglöwen“ verwandelt.

TSG Haßloch – HBW Balingen-Weilstetten II         29:28 (12:16)

Mit diesem Erfolg schoben sich die Pfälzer auf Platz 4, verwiesen die Schwaben auf den fünften Rang (punktgleich mit DHB-Pokalteilnehmer Fürstenfeldbruck und Qualifikant Nußloch). Dabei hatten die Gäste lange geführt (20:25), dann sorgte eine offensiver ausgerichtete Deckung für den Umschwung. Auch TSG-Keeper Malte Röpcke trug einen maßgeblichen Anteil am knappen Sieg.

TSV Neuhausen/Filder – TuS Fürstenfeldbruck      30:17     (12:8)

So deutlich kamen weder die Württemberger im Saisonverlauf zu einem Heimsieg noch die Bayern unter die Räder. Die einen begingen dann Abschied in ihrer Halle, die anderen ließen sich die Feierlaune auch im Bus nicht vermiesen. TuS-Trainer Martin Wild meinte, die Rückreise sei lustiger wie sonst bei Auswärtssiegen gewesen.

SG Nußloch – TV Neuhausen/Erms             30:23 (13:12)

Im Vorfeld gab es Irritationen, ob die Partie überhaupt starten würde, hatte doch TVN-Kapitän und Co-Trainer Daniel Reusch verlauten lassen, dass seine Mannschaft nicht wüsste, wie sie nach Nußloch kommen würde. Und die erste Halbzeit war das Gästeteam auch noch recht präsent, aber dann wurde es relativ einseitig (25:18). Der scheidende Trainer Christian Job wird nun Spielerbeobachter für die SGN. „Ein bisschen Ahnung von Handball habe ich. Und wenn ich mich dann einbringen kann, was die Jugend oder den zukünftigen Kader angeht, ist das auch eine gute Sache.“

TGS Pforzheim – TuS Dansenberg             37:34 (19:18)

Auch in dieser Partie hat es über 70 Mal geklingelt – und dies vor gut 800 Zuschauern. Über 29:29 und 35:34 blieb der Spielausgang lange offen.

VfL Pfullingen – TV Hochdorf                    29:26 (14:10)

Hochdorf hatte noch nach dem Relegationsrang geschielt, verlor ihn aber spätestens nach der Pause aus dem Blickfeld (18:11). Pfullingen, das nie wirklich gefordert wurde, vermied damit indes einen weiteren Absturz in der Tabelle. Für TVH-Coach Steffen Christmann hingegen „das schlechteste Spiel der Rückrunde“.

 

Insolvenzgefahr? Viele Ungereimtheiten beim Ex-Erstligisten

Keine Relegation beim TV Neuhausen/Erms

 

Die Runde in der 3. Handball-liga ist vorüber, die Saison hingegen noch nicht. Dies liegt daran, dass die einen noch in die Relegation zum DHB-Pokal (je nach Sichtweise) müssen oder dürfen. Für die 14. im Endklassement steht noch die Relegation an. So auch für den Südvertreter TV Neuhausen/Erms, der diese bereits abgesagt hat.

Doch dieser ist wohl ein ganz besonderer Fall und wohl die größte Enttäuschung der abgelaufenen Spielzeit. Der Ex-Erstligist von 2012/13 hat nun eine fünfjährige Talfahrt hinter sich, die wohl in Baden-Württembergs Oberliga (falls überhaupt) ihren Fortgang findet. Denn der Verein droht im Chaos zu versinken. Eine Art „Schlammschlacht“ wird über die lokalen Medien ausgetragen

Angetreten waren die Schwaben mit einem Bekenntnis zum sofortigen Wiederaufstieg. Dies dokumentiert sich zunächst auch in drei Auftaktsiegen. Aber mehr und mehr kamen Ausrutscher hinzu, Betriebsunfällen gleich, die sich aber dann drastisch häuften. Trainer gingen und kamen bis mit Daniel Reusch und Ferdinand Michalik ein Spielerduo die Verantwortung übernahm. Doch ab Spieltag 23 war der Relegationsplatz praktisch wie zementiert.

Ob der TVN überhaupt an der Relegation, die wahrscheinlich keinen Klassenerhalt mit sich bringt und nur vorsorglich ausgetragen wird, teilnimmt, ist derzeit offen. Die Spieler seien zu diesen Partien teilweise auf „Malle“, verletzt oder sonst im Urlaub, heißt es. Und verlässliche Kommunikation seitens der Verantwortlichen gibt es inzwischen wenig bis gar keine. Denn zuerst war letzte Woche Finanzvorstand Thomas Maier, von Beruf Steuerberater, zurückgetreten („unüberbrückbare Differenzen“), jetzt (Montag) gaben auch Geschäftsführer Volker Fleischmann und Geschäftsleiter Nico Held ihren Rückzug bekannt.

Anklagender Leserbrief

Losgetreten hatte die Lawine ein Leserbrief von Mannschaftsarzt (und früherer Torwart in den 80er Jahren) Dietmar Baumann (liegt der Redaktion vor). Dieser warf den Verantwortlichen unter anderem Gehaltsrückstände und kommunikative Versäumnisse gegenüber manchen Spielern vor. Dabei wird der inzwischen 19-jährig Held auch direkt beschuldigt: „Ein Geschäftsleiter mit 18 Jahren ist ein Experiment und man muss sich auf einen respektvollen und manchmal demütigen Umgang mit dem Amt verlassen, zur Notbedarf es einer korrigierenden Hand.“ Baumann und auch Physio Tobias Schur würden unter der Führung Held/Fleischmann nicht mehr beim TVN weitermachen, heißt es in einem weiteren Artikel. 

Diesen Vorwürfen widersprach der Geschäftsleiter via Südwestpresse/Ermstalboten (auch über Focus verbreitet) vehement. „Die Spieler haben ihr Gehalt bekommen. Sollte es von mir verlangt werden, kann ich diese Aussage wasserdicht beweisen.“ Eine ähnliche Aussage beinhaltet auch die eigentlich für letzten Freitag angekündigte Pressemitteilung zum Rücktritt von  Fleischmann und Held. Im Reutlinger Generalanzeiger (GEA) lässt sich Held zitieren: „Da werden Lügen verbreitet.“ Und: „ Das ist eine bodenlose Unterstellung.“ 

Unterstützung indes erhielt Baumanns Erklärung (ebenfalls via SWP) durch Kapitän Daniel Reusch „Das Schreiben von Dietmar Baumann ist als Hilferuf zu verstehen. Er steht mit seiner Meinung überhaupt nicht alleine da. Ich kenne eigentlich niemanden, der Baumanns Kritikpunkte gegenüber Nico Held und Volker Fleischmann nicht nachvollziehen kann.“

Im GEA wird auch thematisiert, dass wohl kein Spieler des aktuellen Kaders bleiben würde. Die Metzinger, die nach eigenen Angaben die Saison 2017/18 noch unter „Profibedingungen“ absolviert haben, stellten bereits einige namhafte Neuzugänge vor, obwohl vor einigen Wochen betont wurde, nicht mehr mit Profis zu arbeiten. Dazu meint Baumann: Ich habe Zahlen gehört, Verträge der neuen Spieler gesehen und Vorgänge berichtet bekommen, die unglaublich sind. Es ist schlimmer als gedacht.“ Und er ergänzt: „Der vom Zweitligisten Dessau-Rosslauer HV verpflichtete tschechische Kreisläufer Jakub Stryc würde den TV Neuhausen wohl ein paar tausend Euro im Monat kosten. Der aus Herrenberg für die kommende Runde zurückgeholte Cornelius Maas würde meinen Infos nach nur zwei Mal in der Woche trainieren, trotz eines vierstelligen Gehalts.“ Dazu bezieht auch TVN-Handball-Abteilungsleiter Thomas Reusch Stellung, der wie Baumann befürchtet, dass Neuhausen nicht zu Relegation antreten könnte: „Hatte Nico Held nicht gesagt, dass der TVN in der Saison 2018/19 einen anderen Weg gehen und keine Profis oder teuren Spieler mehr im Kader haben würde? Wie decken sich solche Verpflichtungen dann mit seinen Aussagen?“ 

„Unverschämt“

Ungewiss sei angeblich auch die finanzielle Lage der Neuhäuser Spielbetriebs-GmbH wird mehrfach erwähnt. Von drohender Insolvenz ist teilweise die Rede. Fleischmann und Held stellen ihrerseits klar: „Die in den Medien thematisierten Finanzprobleme müssen differenziert betrachtet werden. Trotz Reduzierung der Sponsorengelder aufgrund des Zweitliga-Abstiegs war die Aufrechterhaltung der GmbH sicherlich ein täglicher Kampf. Steuerberater und Finanzvorstand Thomas Maier drängte sogar in den vergangenen Wochen zur Insolvenz. Ein externer und neutraler Insolvenzprüfer prüfte daraufhin allerdings die komplette finanzielle Lage der GmbH und attestierte keine Insolvenzgefahr. Somit zu unterstellen, dass quasi ein finanzieller Scherbenhaufen hinterlassen wird, entbehrt jeder Grundlage und ist schlichtweg unverschämt.“ Thomas Reusch indes behauptet: „Wir können uns eine Teilnahme an der Relegation aus finanziellen Dingen nicht leisten.“

 Inzwischen steht fest, dass der TVN nicht an der Relegation teilnehmen wird, meldet heute der Ermstalbote. Im heutigen GEA lässt Gebhard Reusch wissen: „Ich gehe davon aus, dass die Handball-GmbH in die Insolvenz geht.“ Und er ist einer der drei Gesellschafter der Handball-GmbH Neuhausens.

Die Geschichte scheint noch nicht zu Ende erzählt zu sein.  mj