Oftersheim/Schwetzingens Handball-Trainer Holger Löhr wollte eigentlich nicht viel zu der gerade abgepfiffenen Partie sagen, aber dann sprudelte es aus ihm heraus und er tat erst mal recht deutlich seinem Unmut kund: „Ich bin stinksauer.“ Der Derbysieger von Nußloch, die HG, hatte gerade gegen einen der Abstiegskandidaten der 3. Liga, den TV Neuhausen/Erms, mit 25:29 (11:13) verloren.


Dabei wies der Verlauf der Partie viele Gemeinsamkeiten mit dem Nußloch-Match auf. Nach engem, wechselhaftem Verlauf (2:1, 4:6, 8:8, 8:11, 15:13, 22:21) lag der Gastgeber kurz vor Ende „nur“ mit 24:25 (57.) im Rückstand. Doch im Gegensatz zur letzten Auswärtspartie (in der die HG sogar mit 20:23 im Hintertreffen gelegen war) gelang es diesmal nicht, den Schalter umzulegen. Es lief quasi alles schief und der Versuch per offener Deckung mit Gewalt dem Umschwung erzwingen zu wollen, sorgte für das etwas deutlichere Ergebnis – nun eben für die andere Seite.
Es sei eine „Frechheit“ gewesen, was seine Jungs da dem Publikum abgeliefert hätten, war Löhr von dem Vortrag seiner Männer nicht so begeistert. „Jeder hat gemeint machen zu können, was er gerade will. Der TVN hat uns vorgemacht, wie man taktisch diszipliniert auftritt. In Nußloch hatten wie diese Attribute noch.“
Dementsprechend „überglücklich“ gab sich sein schwäbisches Gegenüber Ferdinand Michalik, „dass wir nach sehr, sehr langer Zeit endlich wieder auswärts punkteten. Das war überlebensnotwendig.“ Denn auch die vor seinem Team stehende Konkurrenz fuhr auswärts Siege ein. Dansenberg kam bei Schlusslicht SG Köndringen/Teningen zu seinen Zählern, Oppenweiler/Backnang siegte in Fürstenfeldbruck.
Michalik lobte seine international besetzte Truppe dafür, dass sie nach einem kleinen Tief nach dem Seitenwechsel – die Hausherren hatten sich mit vier Toren in Folge wieder vorbeigeschoben – „diszipliniert und ruhig weiter gearbeitet hat“. Außerdem bot nun TVN-Keeper Simon Tölke eine bärenstarke Leistung. Und in diesem Fall war dann am Ende Oftersheim/Schwetzingens Gegner der Profiteur.
Löhr hatte zu viele technische Fehler, zu viele verworfene Freie ausgemacht, die dann auch am Ende für die Entscheidung sorgten. Symptomatisch ein paar Szenen Mitte des zweiten Durchgangs, als für die HG trotz einfacher und doppelter Überzahl nichts Zählbares heraussprang, sie anschließend den Ausgleich zum 18:18 hinnehmen musste. Aber Löhr hatte ja angekündigt, vermehrt die jüngeren Akteure spielen zu lassen. So hütete Marius Gabel das Tor, Kevin Suschlik und Max Barthelmeß waren lange auf den Außenbahnen unterwegs. Sie müssten sich unter Druck weiterentwickeln. Aber die Jungen hätten teilweise ihre Chance nicht genutzt, urteilte er. Letztlich hielt der Ex-Nationalspieler fest: „Wir haben gesehen, dass uns die Qualität fehlt, solch ein Spiel mit Standgas über die Bühne zu bringen.“  mj

HG: Gabel, Unser; Barthelmeß (1), Messerschmidt (2), Jansen (3), Rudolf, Förch (2), Zipf, L. Sauer (2), Krämer (1), Suschlik (2), A. Sauer (1), Körner, Hideg (11/4).