Michael Braun stellt seinen Part der Teamarbeit vor

Michael Braun ist schon seit fast vier Jahren einer von etlichen Torwart-Trainern bei der Handball-Gemeinschaft Oftersheim/Schwetzingen. Ab dieser Saison gehört er auch fest zum Drittliga-Team. Er betreut aber nicht nur Keeper von der „Ersten“ bis weit in die Jugend hinein, sondern ist nur auch als „Dozent“ tätig. Denn außer Daniel Unser als fleißigen „Schüler“ hat er neben ihm noch andere „Studenten“, die sich für einen Job als Spezial-Coach etwas abschauen möchten, so zum Beispiel Sergei Hasselbeck aus der „Ic“ oder Fredrick Fauerbach von der A1. Vor der Partie gegen Horkheim plauderte er mit uns ein wenig aus dem Nähkästchen.

Was muss ein Keeper außer gutem Stellungsspiel und flotten Reflexen mitbringen?

Michael Braun: Als Torhüter ist man auch immer ein bisschen der Einzelsportler im Team, daher ist gerade auf dieser Position ein extrem hohes Maß an Eigenverantwortung und eiserne Disziplin besonders wichtig. Auch psychische Stabilität und Selbstbewusstsein ist nicht zu vernachlässigen, denn man muss auch nach 20 Gegentoren immer noch davon überzeugt sein, dass man den nächsten Ball auf jeden Fall hält.

Wozu braucht ein Torwart ein gutes Gedächtnis?

Braun: Handballspielen beginnt im Kopf! Ein Torhüter muss neben einer guten Merkfähigkeit auch eine außergewöhnliche Handlungsschnelligkeit mitbringen. Innerhalb von Hundertstelsekunden muss er die Spielsituation wahrnehmen, entscheiden welche Bewegung er ausführt und diese dann umsetzen. Das ist natürlich ein Automatismus, den man nicht kontrollieren kann, aber den kognitiven Prozess, der dahinter steht, kann und muss man trainieren um den Torhüter schneller zu machen.

Wie kann man dies alles den Jungs beibringen?

Braun: Man muss sie erst einmal davon überzeugen, dass man nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern muss, sondern auch die geistige. Das braucht manchmal etwas Zeit und Überzeugungsarbeit, da sich die Trainingsmethodik schon etwas vom "klassischen Torwarttraining" unterscheidet. Natürlich stehen wir viel im Tor und werfen viel, aber daneben arbeiten wir ständig mit verschiedenen Zahlen, Farben, Formen, Buchstaben etc. Klingt jetzt vielleicht ein bisschen wie Kindergarten, ist aber extrem wichtig und die Basis unseres Trainings.

Woher hast Du Deine Schulungsmethoden?

Braun: Aus den klassischen Ausbildungen von Landesverbänden und Bund, Hospitationen bei Bundesliga-Mannschaften, Erfahrungsaustausch mit anderen (Torwart-)Trainern, Einblick in das Training von Spitzentorhütern, viel ausländische Literatur, da der deutsche Markt eher wenig hergibt.

Entwickelst Du auch selbst spezielle Übungsformen?

Braun: "Entwickeln" wäre vielleicht etwas zu viel gesagt. Im Endeffekt muss man sein Training immer individuell an die Spieler anpassen, die man vor sich hat. Daniel Unser hat einen völlig anderen Stil als Marius Gabel oder Max Herb, insofern kann ich mit den Jungs nicht komplett identische Übungen machen, beziehungsweise muss bei jedem auf andere Details achten. Natürlich lasse ich meine Erfahrungen und Dinge, die ich gelernt habe, in die Übungsformen mit einfließen, aber das macht am Ende jeder Trainer.

Wie unterstützt Du Marius und Daniel beim Spiel?

Braun: Jeder von uns schaut über die Woche verteilt mehrere Stunden Video und analysiert die Wurfbilder der gegnerischen Spieler. Am Spieltag setzen wir uns vor dem Aufwärmen zusammen, sprechen über Auffälligkeiten und Wurftendenzen und legen den Plan gegen die Haupttorschützen fest. Während des Spiels kommunizieren wir regelmäßig und es ist meine Hauptaufgabe, Abweichungen zu erkennen und den Plan entsprechend anzupassen. Manchmal bringe ich Daniel und Marius auch Wasser.

Was erwartest Du von der Partie heute Abend?

Braun: Obwohl wir das Hinspiel deutlich gewonnen haben, habe ich vermutet, dass das Rückspiel ganz anders werden wird. Bei Hochdorf sind verletzte, wichtige Spieler zurückgekehrt. Es hat letzte Woche auswärts beim Tabellenführer gewonnen und sich somit aus dem Tabellenkeller gekämpft. Wir sind heute auf eine selbstbewusste Hochdorfer Mannschaft getroffen, die uns alles abverlangt hat, es war der erwartet schwere Tanz. Und mit meinen Torhütern war ich sehr zufrieden. Daniel parierte in der ersten Halbzeit stark, hatte elf Paraden. In der zweiten wurden beide ständig vor neue Aufgaben gestellt, die sie aber immer in kurzer Zeit gut gelöst bekamen. mj