Sensationelle erste Hälfte – dann folgt der Einbruch

Was für eine Dramatik! So gar nichts für schwache Nerven war die Auswärtspartie der HG-Drittliga-Handballer beim Lokalrivalen und ewigen Kontrahenten SG Leutershausen: Am Ende holte Oftersheim/Schwetzingen beim 31:31 einen wichtigen Zähler im Kampf um den Klassenerhalt. Und das völlig verdient, denn nach 30 Minuten und nach einer bärenstarken ersten Halbzeit hatte die HG sensationell mit 17:7 geführt. In der zweiten Halbzeit gewannen die zuvor enttäuschenden Gastgeber aber zunehmend die Oberhand, holten Tor und Tor auf und belohnten sich am Ende mit einem kaum mehr für möglich gehaltenen Punkt für ihre Aufholjagd.

Dazwischen machten beide Teams eine selten erlebte emotionale Achterbahnfahrt mit. Die erste Halbzeit gehörte der HG. Ein herausragender Torwart Marius Gabel parierte gleich mal drei freie Chancen von außen und ließ auch aus dem Rückraum oder vom Kreis, unterstützt von einer aggressiven Deckung, wenige Treffer zu. So zog die HG über 1:5 und 4:9 unter den Augen der auf beiden Seiten ungläubig staunenden Fans mit Tempogegenstößen und schön herausgespielten Treffern davon. Ebenfalls ein dickes Ausrufezeichen setzte auf Linksaußen der junge Max Barthelmeß, der jede sich bietende Chance nutzte und auch vom Siebenmeterpunkt nervenstark verwandelte.

Acht Tore in Folge bis zum 7:18

Zwar verkürzte die SGL auf 7:10, doch dann erzielte die HG bis zum Pausenpfiff noch sieben Tore, ohne einen Gegentreffer hinnehmen zu müssen. Sollte es wirklich für einen Auswärtssieg reichen? Klar, dass SGL-Trainer Frank Schmitt in der Halbzeitansprache an die Ehre seiner Jungs appellierte. Doch zunächst erhöhte nach Wideranpfiff Jerrit Jungmann noch auf 18:7 für die Gäste und markierte damit den höchsten Vorsprung. Aber Männer von der Bergstraße zeigten sich dann doch entschlossen, sich nicht noch einmal so vorführen zu lassen. Plötzlich lief die zweite Welle und die Gastgeber holten Tor um Tor auf (18:22). Dann führte die HG aber wieder klarer (18:26) und beim 23:29 (53.) schien ein Auswärtserfolg möglich.

Zuvor hatte bei der HG-Co-Trainer Matthias „Polle“ Polifka seinen Einstand gefeiert und sich gleich in die Torschützenliste eingetragen. Aber Leutershausen kam immer näher, jetzt traf auch der Ex-HGler Hendrik Wagner aus dem Rückraum, der noch in der ersten Halbzeit blass geblieben war. Dazu kam, dass die HG nun kaum mehr in Gleichzahl agierte, da die Unparteiischen fast jede Abwehraktion doppelt – mit Siebenmeter und Zeitstrafe – ahndeten. „Wenn Du solange in Unterzahl spielst, kommst Du auch taktisch ins Schwimmen“, sagte HG-Coach Holger Löhr später. Zumal Daniel Hideg nach dritter Hinausstellung auf die Tribüne musste (57.)

In den letzten Sekunden lag die HG noch immer mit 30:31 in Führung und hatte noch einmal die Chance zum 32. Treffer. Doch Lino Messerschmidts Wurf wurde gehalten und bei einem Freiwurf in der Hälfte der Gastgeber hielt er den Abstand nicht ein, was die Schiedsrichter mit einem Siebenmeter bestraften. Den nutzte Dominik Seganfredo vier Sekunden vor dem Abpfiff mit dem von SGL-Seite viel umjubelten Ausgleich.

Die HG-Jungs waren bedient, doch unterm Strich haben sie einen Auswärtspunkt bei der favorisierten SGL geholt, mit dem vor Anpfiff wohl kaum einer gerechnet hatte.

HG: Herb, Gabel; Barthelmeß (10/5), Messerschmidt (1), Förch (2), Zipf, Jungmann (2), Suschlik (3), Demel (1), Mehl, Polifka (2), Hideg (8), Krepper, Kubitschek (2). mj

Stimmen

Holger Löhr: Wir haben heute zwei komplett verschiedene Halbzeiten gesehen. So wie die Zeitstrafenverteilung nach der Pause war, war es für uns schwierig. Aber wir haben dagegengehalten und wenn wir die 100-Prozentigen gegen Ende auch noch rein machen und nicht verwerfen, kann es für einen Sieg noch reichen.

Frank Schmitt: Wir hatten zuerst kein Tempo, haben keine Zweikämpfe gewonnen. So einen Rückstand zur Pause und kurz danach habe ich noch nicht erlebt, da können wir mit dem einen Punkt zufrieden sein.

Das Rhein-Neckar-Fernsehen hat einen Videobericht zusammengestellt.