„Da simmer dabei, dat is prima“ – Julian Zipf, Handball-Trainer der A-Jugendlichen der HG Oftersheim/Schwetzingen hatte den Gassenhauer „Viva Colonia“ der Höhner auf seinem Smartphone gefunden und brachte ihn im Laufe des Abends unzählige Mal in nervtötender Weise zu Gehör. Aber mit Recht: Denn die von ihm und seinem Kollegen Thomas Herr gecoachten Spieler haben im zweiten Anlauf beim Turnier in Kleinbottwar den direkten Sprung in die Jugend-Bundesliga Handball (JBLH) geschafft – im Gegensatz zu manchem Bundesliga-Standort. Nach Friesenheim, Rimpar und Bietigheim musste jetzt auch Balingen/Weilstetten komplett die Segel streichen.

Die Schwaben wurden in einem zähen Ringen mit 21:20 (11:9) von den Kurpfälzern niedergerungen. Ebenso knapp mit 16:17 unterlagen sie dem TuS Schutterwald und waren damit ausgeschieden. Die Auseinandersetzung mit den Südbadenern um Trainer Martin Heuberger wurde also zum wahren Endspiel. Dieses entschied die HG mit 18:13 (10:4) relativ deutlich für sich.

In der parallel ausgetragenen Gruppe sicherte sich der VfL Günzburg mit einem 16:14 über HR Bottwar und einem 29:18 gegen die SG Köndringen/Teningen das JBLH-Startrecht. Die SG K/T und Gastgeber Bottwar trennten sich 19:20. Die HR sicherte sich mit 22:20 gegen Schutterwald auch den Nachrückerplatz. Stand jetzt müssen aber beide Teams zur bundesweiten Endrunde und da ihre Chance suchen.

Gegen HBW Balingen/Weilstetten kam die HG schwer ins Spiel (4:4), legte aber ständig vor und verschaffte sich dann auch öfter einen kleinen Vorteil (10:7, 14:11, 18:15), der aber immer wieder in Gefahr geriet (11:10, 15:14, 19:19). Ohne Unterlass forderte Zipf seine Jungs immer wieder auf, „übernehmt Verantwortung für den Ball“. Denn allzu viele Fehler wurden nicht verziehen. Trotzdem gelang es, getreu dem ausgegebenen Motto, „es ist nicht wichtig, wie viele Fehler wir machen, sondern wie viele die Nebenleute wieder ausbügeln“, auch gewisse torlose Phasen, als es im Angriff haperte, zu überstehen. Zeiten, in denen Torwart Frederik Fauerbach einige umjubelte Heldentaten vollbrachte. Auch musste Oftersheim/Schwetzingen den Ausfall von Rechtsaußen Sebastian Brand wegstecken. Der jüngere Felix Kruse war nun gefordert, der auch bekannte eine gewisse Nervosität verspürt zu haben, aber seine Aufgabe weitgehend gut löste.

Doch es kam zum finalen Showdown in der letzten Minute. Jakob Clarius hatte auf den quirligen Steven Beck am Kreis abgelegt, der vollzog: 20:19 (39:30). HBW-Coach Tobias Hotz verteilte letzte Anweisungen in einer Auszeit und der Rückraumrechte Maximilian Hejny, der zuvor schon der HG-Deckung mit Treffern und Anspielen einige Schwierigkeiten bereitet hatte, traf (39:50). Blitzschnell war der Anwurf ausgeführt und jetzt war es Beck, der Kreisläufer Jan Zecevic mustergültig bediente. Und dieser ließ dem HBW-Keeper einmal mehr keine Chance.

Ganz anders entwickelte sich die Schutterwald-Partie (3:0). Heuberger fand zunächst absolut kein taktisches Mittel, den HG-Sturmlauf abzuwehren. Dieses sollten ihm nach dem 10:3 (17.) die Oftersheim/Schwetzinger selber liefern. Beim einem Timeout (19.) wurde zur Nachhaltigkeit ermahnt, da der Angriffsschwung ein wenig ins Stocken gekommen war. Doch er kam zunächst nicht mehr so recht ins Rollen. Raul Seidenfuß musste sich sogar mit Rot auf die Tribüne verziehen, weil er einen Konter laufenden Spieler regelwidrig stoppte.

Schutterwald hatte nun Lunte gerochen, kam mit neuem Selbstvertrauen aus der Kabine und eine gegen HG-Spielmacher Julian Hörner gerichtet 5:1-Deckung sollte ihr übriges dazu beitragen, dass es auf einmal 11:10 (25.) stand. Doch jetzt bekamen die Nordbadener wieder Oberwasser. Jonas Hideg und Beck legten wieder vor, Julian Hörner und Lukas Zacharias nach (16:11/35.) – die Messe war fast schon gelesen. Konzentriert wurde die Partie zu Ende gebracht, bevor der kollektive Jubelsturm einsetzte, der auch im nahe gelegenen Bächlein Bottwar ein Intermezzo hatte.

Oftersheim/Schwetzingens Vorsitzender Peter Knapp kam persönlich bei der Feierlichkeitslokalität vorbei: „Glückwunsch Männer, das ist so wichtig für uns. Ich bin richtig stolz auf euch“, gratulierte er im Namen des gesamten HG-Vorstandsgremium.

HG: Fauerbach, Steinbach;  J. Hörner (12/5), Zacharias (4), Hideg (1), Zecevic (9), Schiller (1), Seidenfuß, Beck (7/1), Zemella, Folz, Brand (3), Kruse, B. Hörner, Clarius (2), Haase. mj