„Ich habe schon fast viereckige Augen“, meinte Julian Zipf, einer der Trainer der A-Jugend von der HG Oftersheim/Schwetzingen, wollte sich aber nicht beklagen. Unzählige Stunden hat er vor dem Laptop verbracht und handballerisches Videomaterial gesichtet, um seine Jungs bestmöglich vorbereitet in das Rennen um einen Platz in der Jugend-Bundesliga (JBLH) zu schicken.

Am Ende blieb es bei einem Teilerfolg, das Minimalziel, nicht auszuscheiden, wurde souverän erreicht. „Unser 20-minütiger kollektiver Black-out gegen den HC Erlangen hat uns wohl den direkten Einzug verbaut“, brachte es sein Kollege Thomas Herr auf einen Nenner.

Nach 3:1-Führung gegen den HCE ließen sich die Gastgeber schnell aus dem Konzept bringen. Von Beginn an wurde beidseitig nicht lange gefackelt, sondern draufgehalten. Während Jacob Clarius und Kapitän Julian Hörner trafen, war hinten Torwart Frederik Fauerbach zur Stelle. Doch die Hektik der Franken erwies sich dann als Gift für das Spiel der HG, die sich anstecken ließ und überhastet agierte. Bis kurz nach der Pause gab es nur noch zwei heimische Treffer durch Lucas Zacharias und Jan Zecevic, während die Bayern in ihrem Spielrausch auf 14:5 enteilt waren. Oftersheim/Schwetzingen war nach Strich und Faden ausgekontert worden. 

Herr wollte aber die Schuld nicht allein den Spielern zuschieben. „Wir waren auch auf der Bank weitgehend machtlos, wussten nicht mehr, was wir ändern sollten.“ Doch die Jungs rissen sich zusammen, die nun vom  Trainergespann angeordnete offensivere Deckungsweise sollte den HCE-Schwung bremsen. Schnell war der Rückstand auf 13:17 reduziert und Erlangens Verantwortliche versuchten mittels Auszeit, nun den HG-Lauf zu stoppen. Letztlich lief Oftersheim/Schwetzingen die knapp bemessene Zeit davon. Mehr als ein 16:20 (5:13) war nicht drin.

Dass die Kurpfälzer auch in der Lage sind, Lektionen zu erteilen, stellten sie gegen Köndringen/Teningen, dass dem HCE bei seiner 18:20-Niederlage einen großen Kampf geliefert hatte, unter Beweis. Obwohl die Stammformation praktisch komplett ausgewechselt worden war, hatten die Südbadener spätestens ab dem 7:5 nicht den Hauch einer Chance. Dennis Folz traf von Linksaußen oder setzte Konter in frecher Weise. Rückraumakteur Steven Beck vernaschte die SG-Deckung in seiner unnachahmlichen Art nach Belieben. Dabei hatten die Keeper Fauerbach und Florian Steinbach kaum etwas zu heben. Die meisten Bälle wurden in der Deckung erobert oder landeten an der Hallenwand. Mit dem 29:11 (15:7) in nur 40 Minuten war die richtige Ansage für die nächste Turnierrunde getroffen worden.

In der ersten Partie gegen ein favorisiert erscheinendes Bietigheim hatte sich die HG mit 24:18 (11:10) durchgesetzt, wobei die Entscheidung erst im Schlussspurt (19:18) fiel. Besonders Rechtsaußen Sebastian Brand hatte dann seine Lust am Torewerfen entdeckt und nagelte den Deckel fast im Alleingang zu. Zuvor war beidseitig verbissen um jeden Ball gekämpft worden.

Jetzt geht es am Samstag nach Steinheim-Kleinbottwar, wo als Gegner Schutterwald und Balingen/Weilstetten warten werden. Zipf blickt zurück und voraus: „Mit dem Qualifikationsturnier an sich bin ich nicht unzufrieden, denn wir haben phasenweise das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Die unsägliche Phase gegen Erlangen war dagegen katastrophal, einen solchen Blackout dürfen wir uns nicht noch einmal erlauben. Dennoch gehe ich weiterhin mit Zuversicht in die Spiele gegen Balingen und Schutterwald, denn ich bin nach wie vor von der Qualität meiner Mannschaft überzeugt und habe vollstes Vertrauen in meine Jungs.“  mj

HG: Steinbach, Fauerbach; J. Hörner (6/3), Zacharias (3), Hideg (2), Zecevic (6), Schiller (4), Heid, Seidenfuß (9), Beck (8), Zemella (2), Folz (5), Brand (5), Kruse (3), B. Hörner (5), Oppek, Clarius (9), Haase (1), Redmann.