Die HG Oftersheim/Schwetzingen blieb im aktuellen Qualifikationsreigen zur Jugend-Bundesliga Handball (JBLH) auch weiterhin ohne Niederlage. Sie erlangte in Balingen mit minimalem Aufwand (an Zeit, mit nur drei Spielen ohne Umleitung oder Verlängerung), mit maximaler Kampf- und Leistungsbereitschaft und hoher Effizienz die Berechtigung zur Teilnahme an der Saison 2019/20 in der höchsten deutschen Spielklasse.

Dass dabei ab und ein kleines wenig an den Nerven von Stab und begleitenden Eltern gezerrt wurde, interessierte später keinen mehr. Ob sie den Turnierverlauf mit Absicht etwas spannender gestalten wollten, oder ihnen zwischendurch die zündenden Ideen oder die Konzentration abhanden gekommen war, wollten die Spieler nicht beantworten. „Sch….egal“, war ihr Tenor, „wir sind durch und in der Bundesliga – der Job ist erledigt“.

Und diesen Job wären sie hochprofessionell angegangen und hätten ihn auch zu Ende gebracht, bescheinigten ihnen ihre Trainer Christoph Lahme und Thomas Herr und: „Es macht einfach Spaß so mit den Jungs engagiert zu arbeiten, das darf so weitergehen.“ Aber auch die Jugendführung, vertreten vor Ort durch Leiter Markus Barthelmeß und Koordinator Julian Zipf, war voll des Lobes. Sie beide bedauerten nur, dass fast zeitgleich die B-Jugend in Neuhausen auf den Fildern um ein Tor punktgleich mit Echaz/Erms den erneuten Einzug in die Oberliga verpasste.

Auftakt komplett verpennt

Dabei begann die Runde unter der Zollernalb alles andere als verheißungsvoll. Mit 2:5 und 4:10 (16.) wurde das Auftaktmatch gegen TuS Hemlingen erst mal regelgerecht in den Sand gesetzt. Zwölf geknipste Fahrkarten, „die meisten komplett Freie“ (Lahme) entsprechen absolut nicht dem Standard dieser Mannschaft. „Diese Halbzeit war zum Vergessen“, meinte auch der Halblinke Jacob Clarius, sonst einer von mehreren Torgaranten bei der HG. Zur Pause sah es schon wieder etwas freundlicher aus  (8:12) und danach waren auch Abwehr und Torwart Florian Steinbach wieder voll da. Nach nur wenigen Minuten war jedem in der Halle klar, wer hier als Sieger vom Feld gehen würde. Auch wenn es noch bis zur 33. Minute dauerte, als der Ausgleich zum 14:14 vollzogen war. Bewundernswert dabei Raul Seidenfuß, der nach einer Landung auf dem Musikantenknochen, seinen Arm nicht mehr spürte, kurz pausierte und sich wieder ins Getümmel warf: „Es muss einfach gehen.“ Das 21:16-Endergebnis war der Lohn.

Direkt im Anschluss gegen die HSG Freiburg wollte auch Linksaußen Dennis Folz auf die Zähne beißen, aber vergeblich. Beim ersten Konter (3.) wurde er von einem ausrutschenden Gegenspieler aus Versehen abgeräumt und musste mit einem Mords Pferdekuss aussetzen. Lucas Zacharias war als Nachfolger aber gleich auf dem Posten, wie auch Fynn Thüre am Kreis und in der Deckung für Seidenfuß. Sie und ihre Kollegen ballerten munter drauflos, Leon Haase zeigte sich immer wieder als Abfangjäger bei möglichen gegnerischen Kontern. Und zur Halbzeit war die Nummer eigentlich gelaufen (15:7). In  der Folgezeit wurde viel gewechselt, viel experimentiert. Am Sieg (27:18) gab aber zu keiner Zeit Zweifel, nur die zehn technischen Fehler dieser 20 Minuten wurden später noch einmal aufbereitet.

Finale gegen Gastgeber

Denn gegen die JSG Balingen/Weilstetten, die ebenfalls siegreich geblieben war, sollten Sonntagmorgens doch bitte zwei relativ fehlerfreie Durchgänge geboten werden. „Wir wollen den Sieg, das müssen wir dem Gegner von Beginn an zeigen“, forderte Spielmacher Steven Beck seine Mitstreiter zu absoluter Hingabe auf. In einer absolut hochklassigen Partie mit viel Tempo legten die Gäste dem Hausherrn dann auch prompt einiges ins Nest, woran er zu knabbern hatte. Beim 9:4 (17.) war jedoch der vorläufige Zenit erreicht. Die Schwaben kamen – als die letzte HG-Konsequenz (auf niedrigen Level) in der Abwehr und auch vorne etwas verloren gegangen  war – nach wenigen HG-Fehlern nicht nur zum Anschuss- (13:12/27.), sondern auch zum Ausgleichstreffer (14:14/32.). Doch die Badener bewiesen einmal mehr Nehmerqualitäten, steckten diesen Rückschlag umgehend weg. Beck setzte sich auf Halblinks durch, Clarius fachkelte einen Wurf in den langen Winkel und Seidenfuß netzte einen Freiwurf in Unterzahl ein; die vorherige Dominanz war wieder da. Als die JSG-Trainer ihre Männer noch einmal per Auszeit neueinstellten, ahnten die HG-Coaches deren Anweisungen voraus und gaben ihren Leuten die richtigen Direktiven mit auf den Weg, wie  sich im 21:17 (10:7)-Endstand dokumentierte.

Dass diese Partie mit nur sieben Mann komplett durchgespielt wurde, ließ bei den Sitzengebliebenen keinen Neid aufkommen. „Die machen das so gut, da habe ich kein Problem mit“, meinte stellvertretend Frederic Redmann, der sich in den Partien zuvor immer wieder voller Energie eingebracht hatte, sich damit begnügte Wasser und Harz den Protagonisten anzureichen. „Unsere Chance, und Einsatzzeiten kommen, wenn wir die Runde in der Bundesliga spielen.“

Die Balingen/Weilstetter Tristesse hielt indes auch nicht lange an. Die JSG bezwang im Entscheidungsspiel Allach mit 19:16) und hat damit ebenfalls wieder die JBLH erreicht.

 

HG: J. Beck, Steinbach; Zacharias, Arslan, S. Beck, Folz, Redmann, Seidenfuß, Kruse, Clarius, Grausam, Trunk, Haase, Thüre, Polifka.

mj