Matthias Kolander mag Herausforderungen. Der neue Trainer der Handballfrauen der HG Oftersheim/Schwetzingen tritt in große Fußstapfen, denn nach dem Durchmarsch in den vergangenen Jahren steht die HG in der Oberliga vor einer schweren Mission. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt der 40-Jährige, wie er die Klasse halten möchte.

Nach fünf Aufstiegen in sechs Jahren treten Sie bei der HG ein schweres Erbe an. Herr Kolander, wie gehen Sie ihr neues Projekt an?

Matthias Kolander: „Meine Aufgabe ist nicht leicht. Für uns geht es nur um den Klassenerhalt. Eigentlich hat niemand damit gerechnet, dass die Mannschaft den Sprung in die Oberliga schafft, aber die Konkurrenz hat den Aufstieg leider verspielt und dann war die HG zur Stelle.

Warum sagen Sie, die Konkurrenz hat den Aufstieg leider verspielt?

Kolander: Der Aufstieg kommt für mich ein bis zwei Jahre zu früh. Es hätte dem Team gutgetan, wenn es noch weiter in der Badenliga gespielt hätte.

Dadurch, dass der Verein erst so spät Klarheit hatte: Wie schwierig gestaltet sich die Kaderplanung?

Kolander: Das Problem ist, dass viele Spielerinnen schon bei anderen Vereinen zugesagt haben. Aber wir sind noch mit drei Spielerinnen in Verhandlungen. Wir wären froh, wenn das klappen würde, denn die Spielerinnen sind erfahren und wären Verstärkungen.

Wie haben Sie ihre neue Mannschaft kennengelernt?

Kolander: Sie ist sehr ehrgeizig und ich glaube auch, dass es nicht am Ehrgeiz oder am Willen scheitern wird. Die Mannschaft ist gut aufgestellt, aber ihr fehlt die Erfahrung und das könnte in der neuen Spielklasse der Knackpunkt sein.

Das bedeutet, Sie müssen die anderen Mannschaften mit kreativen Ideen überraschen.

Kolander: Da sind wir dran. Aber nach dem ersten Spiel sind die Videos auf der Plattform der Liga und Überraschungen gibt es dann nicht mehr. Die Konstellation sieht so aus, dass wir uns in jedem Spiel etwas einfallen lassen müssen: Das geht von der Aufstellung, über verschiedene Abwehrsysteme bis hin zur Spieleröffnung.

Sie waren vorher in Viernheim. Wie kam der Kontakt mit der HG zustande?

Kolander: Man kannte sich schon aus der Liga, aber ich war dann einmal Zuschauer und habe mich mit Ex-Trainer Klaus Braun unterhalten. Eigentlich wollte ich eine Pause einlegen, aber dann kam der Verein auf mich zu und ich habe die Herausforderung angenommen.

Ist es die bisher größte Herausforderung in Ihrem Trainerleben?

Kolander: Nein. Ich habe Spaß an großen Herausforderungen. Hier ist es eine Herausforderung, weil die Mannschaft sehr jung ist und sich erst zeigen muss, ob die Talente den Sprung schaffen werden. Wir wollen allen zeigen, dass wir die Oberliga halten können, darauf freue ich mich sehr.

Vor Ihrer Zeit bei den Viernheimer Damen haben Sie eine männliche A-Jugend in Friedrichsfeld trainiert. Wie unterscheiden sich die Arbeitsweisen?

Kolander: Der Umgangston ist anders. Bei Frauen muss man vorsichtiger sein. Bei Jungs ist ein böses Wort nach dem Training vergessen, bei Frauen dauert das länger.

Sind Sie im Training auch mehr als Psychologe gefragt, weil Sie die Mannschaft darauf vorbereiten müssen, dass es eine ganz schwere Runde werden wird?

Kolander: Wir werden im Trainingslager in Trossingen viele Einzelgespräche führen. Wir brauchen wahrscheinlich 22 Punkte, um die Klasse zu halten. Und spätestens nach der ersten Partie werden alle Spielerinnen aufwachen. Wir können sie vor dieser Herausforderung nicht bewahren, deswegen reden wir viel miteinander. Das Team wird sich auch wieder daran gewöhnen müssen, zu verlieren.

Gegen welche Mannschaften sind Punkte Pflicht?

Kolander: Gleich im ersten Spiel in Bönnigheim sollten wir punkten. Gegen die Mitaufsteiger sollten wir auch gewinnen, aber auch das wird nicht einfach. Wir müssen schauen, wie weit wir kommen. Es kommt darauf an, dass das Team 60 Minuten lang die Konzentration hochhält.

Der Grundstein soll im Trainingslager gelegt werden, aber auch danach stehen spannende Entscheidungen an: Möglicherweise soll ein neuer B-Jugendtrainer vorgestellt werden und auch die zwei Spielerinnen sollen in der kommenden Woche unterschreiben.

Kolander: Richtig, es steht eine richtungsweisende Woche bevor. Es wird sich entscheiden, in welche Richtung wir blicken dürfen. Es wäre wichtig, die zwei Spielerinnen zu bekommen, denn Karolin Kolb kann ein Spiel nicht alleine gewinnen und Saskia Zachert, ein Spielertyp, der uns auch weitergeholfen hätte, fällt mit einem Kreuzbandriss lange Zeit aus. Die jungen Spielerinnen können das noch nicht leisten und das ist auch gar nicht schlimm. Aber deswegen brauchen wir noch Verstärkungen, damit die Saison trotzdem nach unseren Vorstellungen verläuft. 

Schwetzinger Zeitung