Am Mittwoch gab der Deutsche Handballbund die neue Einteilung seiner Spielklassen für die kommende Spielzeit der 3. Liga bekannt (wir berichteten kurz). Eine Entscheidung, die von manchen bereits am Vortag erwartet worden war. Vielleicht ist die Verspätung ein Indiz dafür, wie schwer in einigen Fällen die Einordnung fiel, denn es gab doch einige Grenzfälle – wie jene von der SG Leutershausen und des TVG Großsachsen – zu beachten, während die HG Oftersheim/Schwetzingen im „angestammten“ Süden verbleibt.

Dass da bei der einen oder anderen Seite Frust nicht ausbleibt, ist klar. Am schnellsten ließ Ulrich Roth, sportlicher Leiter von der SGL Dampf ab, erklärte über Homepage und Handball-World seinen absoluten Unmut, war sprachlos, sieht Leutershausen jetzt stark gefährdet. Dabei hatte sich eine Entscheidung in dieser Art schon vorab abgezeichnet. Eventuell war dies auch noch eine Reaktion auf den Zweitligabstieg in quasi letzter Sekunde.

Er ließ mitteilen: „Also ich bin absolut sprachlos. Natürlich muss man nach der geographischen Zuordnung handeln, irgendwie hatte ich es auch schon befürchtet, dass es so kommt. Für uns - und auch Großsachsen - ist das eine ganz große Katastrophe. Dabei geht es nicht um die Kilometer, die wir in den Osten zurücklegen müssen. Die gesamte Attraktivität der 3. Liga ist damit genommen, das ist Wahnsinn, das ist ein Desaster - die Gesamtstruktur wird dabei verfehlt. Duelle gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen, die SG Kronau-Östringen oder die SG Nußloch bleiben durch die Eingruppierung im Osten aus. Natürlich muss immer jemand leiden, in den vergangenen Jahren war das Fürstenfeldbruck. Nun sind in der Ost-Staffel drei Zweite Mannschaften, die nicht einmal aufsteigen dürfen.“ (Anmerkung: Zumindest zwei Bundesliga-Nachwuchsteams gibt es aber auch im Süden.) „Dennoch ist das alles zu hinterfragen. Wir respektieren die Entscheidung, akzeptieren sie aber nicht und werden sie prüfen lassen. Wir haben wirtschaftlich für die 3. Liga Süd geplant, nun müssen wir ganz anders kalkulieren. Sechs sehr attraktive Spiele fallen weg, das gibt einen ganz anderen Zuschauerschnitt – wirtschaftlich ist die Entscheidung eine Katastrophe.“

Auch beim benachbarten Hirschberger Bruderverein TVG trifft das Kommissions-Urteil nicht gerade auf Jubelstürme. Allerdings brachte es das „befürchtete“ Szenario, wie Großsachsens Spielleiter Heiner Mayer bestätigte, nimmt es aber pragmatisch. „Wir sind natürlich alles andere als begeistert. Dabei sind es nicht nur die weiten Fahrten, sondern eher die fehlenden Derbys gegen die HG, Nußloch, Hochdorf usw. Ich denke nicht, dass Teams die 300 oder mehr Kilometer Anreise haben, noch großartig Fans mitbringen. Aber wir können es nicht ändern und werden das Beste daraus machen. Was anderes bleibt uns ja eh‘ nicht übrig. Positiv ist, dass wir in der Sachsenhalle fast nur neue Teams erwarten werden, attraktive Gegner sind auf jeden Fall dabei. Eben mal etwas Neues.“

Zwei Einschätzungen, die HG-Trainer Holger Löhr durchaus nachvollziehen kann: „Ich bin da recht emotionslos, natürlich ist eine Derby-Liga sowohl von den Spielen eher emotionaler und sicher sind auch die Fahrten und Zuschauereinnahmen ein nicht zu unterschätzendes wirtschaftliches Argument.  Dennoch denke ich müssen wir bzw. alle es nehmen wie es kommt! Aber auch ich kann nicht leugnen, dass mir der Süden lieber ist als der Osten, daher kann ich,  nicht nur als ehemaliger Leutershausener, die Gedanken an der Bergstraße durchaus nachvollziehen."

Allerdings, schaut man sich die Alternativen an, gibt es praktisch keine andere Möglichkeiten, die nicht überzumutbaren Härten für andere Teilnehmer mit sich gebracht hätten. Eine Variante wäre gewesen die drei Pfälzer in den Osten (die Staffelbezeichnungen sollte man nicht zu geographisch interpretieren) zu stecken und die beiden Hirschberger Traditionsvereine zusammen mit Erlangen II in den Süden. Aber bei Magdeburg II und Bernburg hält sich die Begeisterung wohl auch in Grenzen. Sie hätten wahrscheinlich auch lieber gegen Teams aus Süd-Niedersachsen und dem Berliner Raum gespielt.

Auch der sportliche Leiter Martin Schmitt von Oftersheim/Schwetzingen sieht es ähnlich wie sein Coach: „Wir nehmen es wie es kommt bzw. wie es zugeteilt wird. Natürlich wären Derbys gegen Leutershausen und Großsachsen vor vollem Haus für Spieler, Zuschauer und Verein ein tolles Event, auf der anderen Seite wussten wir, dass es durch den Aufstiegsverzicht und dadurch fehlenden Aufsteiger bei gleichzeitig zwei Neuzugängen aus der 2. Liga im Süden sehr voll werden würde. Nun freuen wir uns auf die Duelle gegen Nußloch, Kronau, Hochdorf, Haßloch und die anderen Kontrahenten aus der Südstaffel und fiebern einer hoffentlich stimmungsvollen, verletzungsfreien und erfolgreichen Saison entgegen.“

 

Die Staffeleinteilungen der 3. Ligen der Spielzeit 2017/18 im Überblick:

Nord: MTV Braunschweig, HSG Nord HU, HC Empor Rostock (AB), HG Hamburg-Barmbek (AUF), HSV Hannover, HSV Hamburg, TSV Altenholz, DHK Flensborg, SG Flensburg-Handewitt II, Oranienburger HC, 1. VfL Potsdam, TSV Burgdorf II, Mecklenburger Stiere Schwerin, VfL Fredenbeck, HF Springe, HSG Burgwedel

Ost: TV Gelnhausen, TVG Großsachsen, SG Leutershausen (AB), HC Erlangen II (AUF), MSG Groß-Bieberau/Modau, HSG Rodgau Nieder-Roden, HSG Hanau, TV Großwallstadt, HSC Bad Neustadt, HSC Coburg II, GSV Eintracht Baunatal, Northeimer HC (AUF), SG Bruchköbel (AUF), HSV Bad Blankenburg (AUF), SC Magdeburg II, SV Anhalt Bernburg

Süd: TSB Horkheim, SV Kornwestheim (AUF), HG Oftersheim/Schwetzingen, SG Nußloch, TGS Pforzheim, SG Köndringen/Teningen, HBW Balingen-Weilstetten II, SG Kronau/Östringen II, TSG Haßloch, TSV Neuhausen/Filder (AUF), TV Neuhausen (AB), VfL Pfullingen, HC Oppenweiler/Backnang, TuS Dansenberg (AUF), TV Hochdorf, TuS Fürstenfeldbruck

West: Longericher SC, HSG Bergische Panther (AUF), TSV Bayer Dormagen, HSG Krefeld, TV Korschenbroich, Leichlinger TV, SG Menden, TuS Ferndorf (AB), TuS Volmetal, HSG Lemgo II, VfL Gummersbach II, TSV GWD Minden II, Ahlener SG, SG Schalksmühle/Halver, OHV Aurich, ATSV Habenhausen (AUF)